Gipfeltreffen des Steirischen Kameradschaftsbundes

Auch wenn man intensiv im digitalen Raum tätig war, Corona hat das Tagesgeschäft ausgebremst. Das letzte Treffen der ÖKB-Landessitze reicht viele Monate zurück; Arbeit hat sich angehäuft. Eine physische Präsidiumssitzung, die Themen wie Neustart, Hofübergabe, Jahresabschluss, Statuten … fokussiert, war längst überfällig.

Die Landesspitze des Steirischen Kameradschaftsbundes tagte in Stainz. Foto: Hofer

„Normalität“ nach der Krise! Auch wenn dieses Gefühl förmlich greifbar war, als das who’s who des Steirischen Kameradschaftsbundes am Samstag, dem 19. Juni, in der Hofer-Mühle tagte, die Administration im Vorfeld zur Präsidiumssitzung spricht eine andere, ernüchternde Sprache: Ohne FFP2-Maske, ohne 3-G-Regeln, ohne Contact Tracing geht bislang noch nichts. Peinlich genau seien alle Richtlinien einzuhalten, instruierte Organisator Landesfinanzreferent Franz Hofgartner das Sicherheitsteam – u. a. mit Landesschussmeister Gernot Peroutka und Obm. Helmut Apl, Corona-Beauftragter des Landesverbandes. Die beiden verstanden es auf charmante Weise zu sensibilisieren, zum Berücksichtigen der Vorgaben zu motivieren. Indes lotsten der OV Stainz sowie die ansässigen Wehren in „verbandsübergreifender Doppelconférence“ alle Gäste punktgenau zur Zieldestination. Man hatte wirklich an alles gedacht.
Schließlich schulterten LdFähnrich Helmut Kahr und LdFähnrich.-Stv. Helmuth Hasenburger die Landesfahnen für den klangvollen Einzug – ein Quintett der Marktmusikkapelle Stainz intonierte gekonnt – in den Tagungssaal, wo Protokollchef LAbg. a. D. Karl Wiedner die Anwesenden begrüßte. Beim Totengedenken erinnerte MilSuperior dM KonsR Mag. Wolfgang Koschat, stellvertretend für die kürzlich verstorbenen Mitglieder, an Vzlt i. R. Peter Bärnthaler (83).

Neustart
Auftritte vor Mitgliedern und hochrangigen Gästen wie dem Präsidenten der Offiziersgesellschaft Bgdr Mag. Claudius Bubner, gehören für gf. Präs. Peter Dicker zur Routine. Zu „normalen Zeiten“ gibt er des Öfteren den Frontmann. Doch an diesem Samstag mutete es an, als ob es ihm bei seiner Präsentation besonders wohl sei: die Miene fröhlich, der Atem entspannt. Verständlich, schließlich endete mit dieser Präsidiumssitzung eine lange Durststrecke, meinte der ÖKB-Chef erleichtert: „Das Verbandsgeschehen kann, wenn auch mit Bedacht, aufleben.“ Die Kameradinnen und Kameraden haben bemerkenswerte Disziplin erbracht, alle Covid-Maßnahmen beherzigt und damit den Weg aus der Pandemie geebnet, dankte der Präsident. Bedauerlicherweise konnte der Landesverband seine 140-Jahr-Feier nicht abhalten. Eine Reflexion ist dennoch möglich, da Obst i. R. Gottfried Maicher in einem umfassenden Bildband das Geschehene zu Papier brachte. Im Übrigen das letzte Projekt des Landeschronisten, der kürzertreten möchte; seine Funktion ist somit vakant. Zu begrüßen sei ebenfalls, dass sich Kameradinnen, die nunmehr zehn Prozent des Mitgliederstandes ausmachen, immer besser etablieren. Ein wichtiger Baustein für einen Neustart, leitete gf. Präs. Dicker auf die „intensive Arbeit des Vorstandes“ über, die kürzlich in einer Klausur gipfelte. Wie der ÖKB auf gesellschaftliche Strömungen reagieren müsse, wie bedeutend der (interne) Kommunikationsfluss ist und wie man verstärkt die Jugend einbindet, kleidete LdSchf.-Stv. Dipl.-Ing. Ludwig Robitschko gewonnene Erkenntnisse in Worte.

Hofübergabe
„Ich stelle mich für keine weitere Funktionsperiode zu Verfügung“, konkretisierte gf. Dicker sein Ausscheiden aus dem Vorstand, das im Hinblick auf den Delegiertentag im Herbst gut geplant sein will. „Niemand benötigt ein zweites Hartberg.“ Für den ÖKB sei, betonte er für mögliche Nachfolger, ein kameradschaftliches Umfeld, das von gegenseitigem Respekt geprägt ist, anzustreben. Aktuell findet sich der Vizepräsident des Bundesverbandes, Vz.-Präs. Vzlt Rudolf Behr, ganz oben auf dem vorliegenden Wahlvorschlag. Er hält am Gros der Vizepräsidenten mit Dir. Manfred Pfandl (Murau, Judenburg, Knittelfeld und Leoben), Obstlt Mag. (FH) Christian Burger (Mürzzuschlag, Mariazellerland und Bruck/Mur), Ing. Johann Harrer (Deutschlandsberg und Voitsberg) sowie Franz Zungl (Graz-Süd, Leibnitz und Radkersburg) fest. Als neue Vizepräsidenten sollen OSR Dir. Günter Schneider (Graz, Graz-Nord und Feldbach), Franz Klamler (Hartberg, Fürstenfeld und Weiz) sowie Walter Schwab (Liezen) verantwortlich zeichnen. Ebenso sollen Finanzreferent Hopfgartner und Renate Haring weiterarbeiten – wobei angedacht ist, dass die Landesschriftführerin doch gewichtigere Agenden übernimmt.

Jahresabschluss
„Jetzt wird es trocken“, brachte LdKass. Hopfgartner die Jahresabschlüsse für 2019 und 2020, die sich beide positiv zu Buche schlagen, aufs Tapet. Gewohnt souverän jonglierte er auch mit den Zahlen, stellte professionell Ein- und Ausgaben gegenüber, als es an den Voranschlag für 2021 ging. Dabei erfuhren die Anwesenden, dass alle Gelder fristgerecht zur Zahlung gebracht wurden und – was besonders erfreulich ist – dass monetäre Unterstützungen für den Landesdelegiertentag zu erwarten sind. Mustergültig. Da weiß man, dass man sich in puncto Bilanzen absolut verlassen kann, lobten die Kassaprüfer, worauf der Landeskassier, der Vorstand und alle weiteren Verantwortlichen einstimmig entlastet wurden.

Statuten
Orts- und Stadtverbände haben ein eigenes rechtliches Statut, Bezirksverbände nicht. Das soll sich ändern, wie auch die Stellung des Landesyndikus: Nach Rücksprache mit BH HR Dr. Hemut-Theobald Müller, so Vz.-Präs. d. BV Behr, sei die Anwesenheit eines Juristen bei Vorstandssitzungen nicht immer zwingend erforderlich, ein Wechsel des Landesyndikus vom Vorstand in das Präsidium demnach sinnvoll. Einladungen, etwa die zum Landesdelegiertentag, sollen zukünftig acht Wochen vor dem Veranstaltungstermin erfolgen, damit mehr Zeit bleibt, um Anträge einzubringen. Und las but not least soll das Verbandssprachrohr, die „Courage“, zur Mitgliederzeitschrift avancieren. Was nicht heißt, jedes Mitglied kommt in den Genuss eines Abos, sondern zumindest jeder „ÖKB-Haushalt“ soll ein Exemplar erhalten. Eine Vorgangsweise, die für Gesinnungsgemeinschaften ähnlich der Größenordnung des Kameradschaftsbundes (rund 52.000 Mitglieder) üblich und sinnvoll ist. Die im kurzen Auszug zusammengefassten Änderungen werden beim Landesdelegiertentag zur Beschließung vorgelegt.

Edelmetall überreicht
Diese Präsidiumssitzung bot Bühne für Dekorationen, die coronabedingt erst verspätet erfolgen konnten. Es hat gedauert. Zutiefst der Geduld verdienter Funktionäre verpflichtet, verlas LdSchf. Haring die Laudationes, ehe Edelmetall ihren Besitzer wechselte: LdSchf.-Stv. Dipl.-Ing. Robitschko und LdUmweltref. OSR Dir. Schneider nahmen das Silberne, Ldfähnrich.-Stv. Hasenburger das Goldene Ehrenzeichen entgegen. Das Große Silberne Ehrenzeichen heftete man Vz.-Präs. Obstlt Mag. (FH) Burger, Vz.-Präs. Dir. Pfandl, Ldkass. Hopfgartner, BO Ing. Harald Schlager und dem Obmann des OV Spielberg, Heinrich Liebminger, ans Revers. Nachsatz: Letzterer hat kürzlich das Silberne, Vz.-Präs- Dir. Pfandl das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich entgegengenommen (!). Das Bundesverdienstkreuz in Gold spiegelt das Engagement der Vizepräsidenten Zungl und Ing. Harrer wider. Mit der höchsten Auszeichnung, die der Steirische Kameradschaftsbund verleiht, das Große Goldene Ehrenzeichen, wurde EBO Franz Lambauer geadelt.

Kritik zurückgewiesen
Bei seinen Grußworten schlüpfte LdKass. Hopfgartner in die Rolle des stellvertretenden Bürgermeisters von Stainz. Er selbst ist in Stainz geboren, zur Schule gegangen und dort als kommunaler Politiker tätig. Dementsprechend emotional präsentierte der Funktionär Wirtschaft, Kultur und Kulinarik der Gemeinde, was ihn – so eine süffisante Wortmeldung – durchaus zum „Tourismusobmann“ qualifiziert.
„Die ÖKB-Allerheiligensammlungen sind um 70 Prozent eingebrochen; Auslandsarbeit: null!“ Hart ins Gericht ging ÖSK-Präsident LAbg. a. D. Peter Rieser mit der Regierung. Ohne Zuwendungen im laufenden Verbandsjahr könne man den vom Bundesministerium für Inneres (BMI) gesetzlichen Auftrag, nämlich die Pflege von Kriegsgräbern, nicht mehr nachkommen. Er ortet die Zusammenlegungen von Friedhöfen; was dann bleibt, „ist lediglich ein Gedenkstein“. Darauf forderte Vz.-Präs. d. BV Behr, der die Worte seines Vorredners durchaus als Kritik an den ÖKB verstand, den Platz am Rednerpult. „Das Wohl der Kameraden steht vor dem Wohl jener, die bereits begraben sind“, rechtfertigte er seinen Aufruf, im Sinne der Gesundheit von den Friedhofssammlungen in Pandemiezeiten abzusehen. Wenngleich er die Misere durchaus nachvollziehen kann, „dieser Standpunkt ist auch heute noch so zu vertreten“. Sicher ist aber, versprach der Funktionär weiter, dass die enge, kameradschaftliche Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Schwarzen Kreuz ein fester Bestandteil im ÖKB bleibt. Eine perfekte Überleitung vom offiziellen in den gesellschaftlichen Teil.

Bericht&Fotos: Ewald Hofer

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