Investition in die Sicherheit

Seit 53 Jahren ist der Hubschrauber „Allouette III“ in Österreich im Einsatz. Weitere drei Jahre wird er das auch noch sein, ehe er von dem Modell „AW196M“ der italienischen Firma Leonardo abgelöst wird. Das lässt sich das Verteidigungsministerium auch einiges kosten – rund 300 Millionen Euro werden in die Sicherheit der Soldaten und Bevölkerung investiert.

 

Ablöse für die „Allouette III“: der Leonardo AW196M. (Foto: Leonardo)

Der größte Innenraum seiner Klasse mit Gepäcksabteil (Foto: Leonardo)

Im September dieses Jahrs ist die Entschei­dung gefallen: Das österreichische Ver­teidigungsministerium kauft 18 Hubschrauber des Modells „AW196M“ des italienischen Herstellers Leonardo. Mit diesem Ankauf soll der bisherige Verbindungs-und Transporthubschrauber „Allouette III“ ersetzt werden. Dieses Modell ist seit dem Jahr 1967 im Dienst des Heeres und muss aus technischen Grün­den Ende 2023 ausscheiden. Verteidigungsministerin Dr. Klaudia Tanner betont, dass der AW196M die Aufgaben, die bislang die Allouette III ausführt, noch besser erfüllen kann, da es sich hier um ein hocheffizientes und modernes Gerät handelt. Kleine Luft­transportaufträge können beispielsweise in der Zukunft mit dem neuen System kosten­effizienter als mit dem Black Hawk durchgeführt werden.

300 Millionen Euro
Für diese Beschaffung nimmt das Bundesheer rund 300 Millionen Euro in die Hand. Jedoch belaufen sich diese Kosten nicht nur auf den Hub­schrauber selbst, sondern mit ihnen sollen sowohl Technik, Logistik, aber auch die Ausbil­dung sowie andere infrastruk­turelle Erfordernisse abgedeckt werden, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Die Beschaffung eines einzelnen Modells des AW196M kostet das Heer je nach Ausstattung und Zusatzpaket zwischen acht und 15 Millionen Euro. Die Vertragsverhandlungen sollen in etwa sechs Monaten abgeschlossen sein, für die Pro­duktion werden noch ungefähr eineinhalb Jahre anberaumt. Das bedeutet: Die ersten He­likopter sollen erst Mitte 2022 bei uns landen. Die Letzten finden erst Anfang 2024 ihren Weg zu uns nach Österreich.

 

Leistungsstark und vielseitig

Bei dem AW169M handelt es sich um einen leichten bis mitt­leren Mehrzweckhubschrauber in der 4,6-Tonnen-Klasse. Mit einer Fluggeschwindigkeit von bis zu 283 km/h und einer maximalen Reichweite von 816 Kilometern kann er mit unter­schiedlichsten Konfigurationen verschiedenste Aufgaben aller Tätigkeitsbereiche abdecken. Sogar den Selbstschutz. Wahl­weise ist der AW196M mit Räderfahrwerk oder Kufenla­degestell erhältlich und kann mit umfangreicher Zusatz- und Missionsausstattung ausge­rüstet werden. Um den Schutz der Besatzung gewährleisten zu können, kann ballistischer Schutz für das Cockpit, die Kabine und schusssichere Tanks und eine elektroni­sche Selbstschutzanlage an dem Helikopter angebracht werden. Ein weiteres poten­zielles Feature ist das „Full Ice Protection System“ (FIPS), das den AW196 zum weltweit ersten Helikopter unter fünf Tonnen mit integrierter Ent­eisungsanlage macht. Ebenfalls ist der Hubschrauber für den Instrumentenflug, umgangs­sprachlich auch als Blindflug bezeichnet, geeignet. Beson­ders spannend ist der Fakt, dass der Innenraum des AW196M der bisher größte seiner Klasse ist. Krankentransporte plus ein vierköpfiges Ärzteteam finden in der Kabine Platz. Diese Maximalzahlen werden aber im Normalbetrieb nur äußerst selten ausgeschöpft. In Zeiten einer Pandemie, wie wir sie gerade erleben, findet sich im Innenraum auch genug Raum, um eine Person isoliert trans­portieren zu können.

Einsatzgebiet
Personen- und Materialtrans­porte, aber ebenso Löscharbei­ten von Waldbränden oder zur Luftaufklärung sollen zukünf­tig durch die neue Hubschrau­berflotte abgedeckt werden. Beispielsweise kann er bis zu drei Mal mehr Wasser trans­portieren als die „Alouette III“. Außerdem, so heißt es aus dem Militär, sei das Modell speziell für Einsätze im Gebirge bestens geeignet. Zwölf Maschinen, die eine Einsatzstaffel bilden, werden in Aigen im Ennstal in der Steiermark stationiert. Die sechs anderen werden als Schulungshubschrauber verwendet, um mit ihnen eine effiziente Ausbildung ge­stalten zu können. Sie finden ihren Platz in der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule in Langenlebarn (NÖ). Sollte es aber einmal zu einer Katastro­phe größeren Ausmaßes kom­men, können diese jederzeit für Einsatzaufgaben angefordert werden.

USA, Deutschland oder doch Italien?
Um sicherzugehen, dass man genau das bekommt, was auch gebraucht und wofür bezahlt wird, wurde im Vorfeld eine Liste mit den Anforderungen an den neuen Hubschrau­ber erstellt. Diese wurde im weiteren Verlauf dann an eine Vielzahl von Ländern übermit­telt. Folgende Länder blieben nach der Erstevaluation in der engeren Auswahl: Italien mit Leonardo, Deutschland mit Airbus und die USA mit Bell. Warum die USA aber nicht viel länger im Kampf gegen den Auftrag dabei waren, ist, dass die USA die Anforderungen bei der Ausbildung und dem Betrieb nicht erfüllen konnten, da sie die Hubschrauber nicht selbst betreiben, erläutert Tan­ner. Auch hörte man bei dieser Entscheidung auf die Stimme des Heeres, denn man wollte sich nicht unbedingt dem US-Recht ausliefern, wenn es doch in Europa ebenso gute Alterna­tiven gibt. Gegen Deutschland sprachen die Zeitpläne und das unterschiedliche Interesse in Sachen Wartung. Schluss­endlich konnte Italien mit Leonardo das Rennen für sich entscheiden, denn es konnte eine umfassende Kooperation zusichern. Außerdem habe das Bundesheer bereits Erfahrun­gen mit der Technik und Pro­dukten der Firma Leonardo.

Katharina Kröll