Kampf um das Grenzland.

Der Erste Weltkrieg war vorbei. Als sich die Pulverschwaden gelegt hatten, war die ganze Südsteiermark besetzt und die Integrationsidee von „Jugoslawien“ geboren: Slawen verstanden es als ihr natürliches Recht, sich in einem einheitlichen Territorium zu vereinigen.

Mit einem gescheiterten Befreiungsversuch rief Oberleutnant Mickl zum Aufstand.

 

Der Erste Weltkrieg war vorbei, die ganze Südsteiermark von den Slawen besetzt. Nach den Kämpfen entstand das Königreich Jugoslawien in Etappen: Vom 29. Oktober bis 1. Dezember 1918 bestand ein „Staat der Slowenen, Kroaten und Serben“, am 1. Dezember wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen als SHS-Königreich gegründet.
An jenem Tag traf die 6. Kompanie des Marburger Infanterieregiments per Sonderzug gegen 20.45 Uhr in Radkersburg ein. Das Ziel des neu gegründeten SHS-Staates: Kontrolle über die Strecke erlangen, welche das Zentrum Marburg mit dem Bezirk Luttenberg verband. Dazu wurde ein vier Kilometer breiter Streifen nördlich der Bahnlinie beansprucht. Wien und Graz ordneten an, keinen Widerstand zu leisten. Aber die Heimattreuen wollten von einer Fremdherrschaft nichts wissen. Am 4. Februar versuchte Oberleutnant Johann Mickl, ein Bauernsohn aus Zelting bei Radkersburg, mit 120 Mann die Bezirksstadt zu stürmen, doch der Angriff wurde niedergeschlagen. Ein Blutzoll, der nicht vergebens bleiben sollte: Es war ein Aufruf zum erfolgreichen Aufstand in den anderen Ortschaften des Unteren Murtales. Dieser gescheiterte Versuch sei ein Beweis dafür, dass die Bevölkerung nördlich der Mur Teil Deutschösterreichs werden wollte, mahnte der damalige Vizebürgermeister von Radkersburg, Dr. Franz Kamniker, bei den Verhandlungen an der Drau. Radkersburg wurde darauf im Friedensvertrag von Saint-Germain Österreich zugesprochen.


Vz.-Präs. Franz Zungl

Einen historischen Rückblick zu diesem Thema lesen Sie in der Courage, Ausgabe 1/2020